Glück
sich zurücklegen
die Augen
schließen
den Mund
leicht spitzen
und darauf
warten
geküsst zu werden.
Und dann
geküsst werden.
von Erich Fried
April 2008
Wort an Wort
Wir wohnen
Wort an Wort
sag mir dein liebstes
Freund
meins heißt
DU
von Rosa Ausländer
Mai 2008
Schiffe
Alle meine Schiffe
haben die Häfen vergessen
und meine Füße den Weg
Es wird nicht gesät und nicht geerntet
denn es ist keine Vergangenheit
und keine Zukunft,
kaum eine Bühne im Tag
Nur der kleine
zärtliche Abstand
zwischen dir und mir,
den du nicht verminderst
von Hilde Domin
Juni 2008
Ein Kelch, ein Blütenblatt, ein Dorn
Aus irgendeinem Sommermorgen
Eine Schale Tau - eine Biene oder zwei
Ein Morgendwind
Flattern in den Bäumen
Und ich bin eine Rose
von Emily Dickinson
Juli 2008
Das Gedicht "Ausgesetzt" von
Mascha Kalenko musste ich leider auf Wunsch der Textboerse Lore Cortis
von meine Homepage entfernen.
August 2008
Vorbei
Vorbei die sehnsuchtsvollen Gefühle
Vorbei zärtliche Umarmungen in der Nacht
Vorbei Küsse so liebevoll und sacht
Vorbei die verletzende Kühle
Noch da dein Platz in meinem Herzen
Sehnsucht nach einer suchenden Hand
Zweifeln an meinen klugen Verstand
Noch da die bohrenden Schmerzen
In endlosen Gedanken gefangen
Nur die Erinnerung geblieben
Die Liebe ist wortlos gegangen
Vorbei einengende Kontrolle und Tanz
Nur in Freiheit kann Liebe leben
Noch da der Wunsch nach Nähe
Und Distanz
von Christin Geweke
Septemper 2008
Ich hab die Liebe
ich hab die Liebe gesehen
klar wie ein Bach
vollend die Reinheit
ich hab die Liebe gespürt
wild wie das Meer
aufwühlt der Grund
ich hab die Liebe gefühlt
warm wie ein Strahl
sonnengewärmten Wassers
Ich hab die Liebe
Heike Wulf
| Oktober 2008
Bumerang
War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.
Ringelnatz
November 2008
Embryonale Stellung
Ich werde dich berühren
dort, wo es pulsiert
in dir
wo es warm ist
und weich und fleischig
wo die adern stolz und prall vibrieren
nicht deine angemalte haut
nicht dein kontostand
und deine freunde
nicht deine karriereplanung
deine plattensammlung
und die rasse deines hundes interessiert mich
ich will nicht
deine geschichten
oder was du über
den werteverfall denkst
deine meinung über hartz vier
ist mir völlig egal
ich werde dich berühren
dort, wo die feuchten wände
nach schweiß und ewigkeit schmecken
wo die zeit keine rolle
mehr spielt
wo alles anfängt und alles endet
dort, wo dein rosa dunkel wird
verzeih mir meinen gesenkten blick
während ich durch's kaufhaus
stürze, verzeih
meine staubigen schuhe
meine stille
während ich mich ausstrecke nach dir
ich werde dich berühren
dort, ganz tief auf dem grund
damit du meinen schmerzenden rücken
wärmen kannst
damit du den tau
aus meinem nacken küßt
während ich
zusammen gesunken
in dir nach der sonne greife
von Volly Tanner
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Gedicht des Monats Dezember
Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
es rührte Sie so sehre
der Sonnenuntergang
Mein Fräulein! Sein Sie munter,
das ist ein altes Stück;
hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.
von Heinrich Heine
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